Antonia Locher
Kunsttherapeutin - Heilpraktikerin für Psychotherapie - Freischaffende Künstlerin

11.04.2021

Was bedeutet Maria für mich persönlich



Als Kind liebte ich es, in meinem Zimmer Marienaltäre zu schmücken, anmutig zelebrierte ich dieses Ritual jeden Mai und weit darüber hinaus.

Meine Oma Rosina ging in dieser Zeit mit mir oft zu Marienandachten und weckte dadurch die Liebe zu Maria in mir, dort konnte ich Geborgenheit spüren und gleichzeitig eine Sehnsucht. Auch in meiner Oma verbarg sich eine Maria – eine weise, mütterliche, liebe-und verständnisvolle Begleiterin – für mich.

In meiner Sehnsucht nach Liebe, in meiner Sehnsucht nach Geborgenheit, in meiner Sehnsucht nach Lebenserlaubnis gab Maria Halt, war sie mir Verbündete, begleitete sie mich durch eine große Einsamkeit.
Die ganze Freiheit der Natur mit all` den schönen Wiesenblumen legte ich ihr wahrlich zu Füßen, im intuitiven Wissen, dass sie zu ihr gehören und ihre Wirkung verstärken.

Schlüsselblumen – Himmelsschlüsselchen: der Himmel auf Erden, der mir in dieser Zeit verschlossen war

Gänseblümchen – das Maßliebchen: wie finde ich das wahre Maß der Liebe, wo finde ich liebe überhaupt - ich habe sie in Maria gefühlt

Vergiss mein nicht - Wer sieht mich überhaupt, wer weiß, dass es mich gibt, bin ich überhaupt da, gewollt, wo bin ich?

Heute bringe ich ihr Rosen – in schmerz- und lichtvollen Momenten, weil ich weiß, dass sie um meinen wahren, unzerstörbaren Kern weiß und ihn würdigt, auch wenn ich gerade nicht um ihn weiß.

Heute verehre ich Lilien – als Zeichen der von Verletzungen gereinigten Mädchenseele.

Einige dieser erwählten Blumen gehören zu den Marienpflanzen, denen ich jeweils einen eigenen Blogbeitrag widmen möchte, denn sie sind wunder- und kraftvolle Heilpflanzen für das innere Kind und bieten große Entwicklungsmöglichkeiten für die Erwachsene in uns.

Maria war dort bei mir, wo ich mich ganz alleine gefühlt habe.

Sie war meine erste Verbündete und Lehrmeisterin, als ich die Kunde der Heilpflanzen- und kräuter entdeckte.

Sie war bei mir, als ich mich ausgeschlossen fühlte – und wortwörtlich vor verschlossenen Türen stand.

Sie war bei mit, als sich meine Mutter von mir abwandte, weil ich in ihr einen Schmerz weckte, den sie selbst nicht kannte.

Sie war bei mir und bei meiner Mutter, sie war bei uns, als ich meine Mutter in ihrer Demenz verlor, als sie sich selbst verlor,
und wir haben uns in ihr wiedergefunden, ich habe meine Mutter neu gefunden als ich entdeckte, dass Maria auch für sie sehr wichtig gewesen sein musste.

Sie war bei mir, als ich den Sinn des Lebens verloren hatte.

Sie war einfach da, als sich mir meine Wunden zeigten.

Sie war für mich da, als das Leben für mich schwer wurde und hat mich auf unterschiedliche, wundervolle Art und Weise ins Leben zurückgerufen, Schritt für Schritt mir die Erlaubnis zu meinem Leben gezeigt und gegeben.

Sie hat mich gestärkt, als ich begann, mein Frau-Sein zu zulassen  -sie lehrte mich Schönheit, Erotik, Weiblichkeit.

Sie hat mich darin begleitet, nach und nach die Schleier des Verbotes fallen zu lassen, um daraus ein neues Kleid zu weben.

Sie hat mich berührt mit ihrem langen, wundervollen Haar, das unter ihrem Schleier auf vielen Darstellungen für mich immer mehr und mehr sichtbar und „erlaubt“ war, weil es mir in der Kindheit nie erlaubt war.

Sie hat sich mir in all` den christlichen Frauenfiguren, die mich faszinierten, gezeigt, sei es Eva, Lilith, Mirjam, H.v. Bingen, und viele mehr, denn in allen gibt es Anteile, die auch Maria für mich hat, findet sich Maria wieder -
sie ist mir auch in irdischen Frauen begegnet, die mich jeweils ein Stück auf meinem Weg begleitet haben. 

Heilkundiges Wissen, Mut zum eigenen Leben, Vertrauen dafür, Erlaubnis, Frau-Sein mit all der Würde, der es gebührt, Leben der eigenen Vision.

Maria hat sich mir gezeigt in der Lektüre von Narziss und Goldmund von H. Hesse, die zweimal in meinem Leben von großer Bedeutung war und in der Goldmund sein Leben lang auf der Suche nach einer Mutter/einem Muttervertrauen ist und seine Muttersehnsucht als Bildhauer in einer Marienstatue ausdrückt.

Sie hat sich mir gezeigt, als ich in Rom von der Marmorskulptur der #„Pietà“ von Michelangelo so sehr berührt war.

Sowohl bei der Lektüre von H. Hesse im Jahr 1988 als auch bei der ersten Begegnung mit der Pietà von Michelangelo wusste ich nicht, warum ich so sehr berührt war, aber unbewusst mag die Sehnsucht der Mutterliebe bei mir darin angeklungen sein.

Den  wahrhaften Zugang hat mir dann mein Lehrmeister J. Drescher in meinem Studium der Kunsttherapie erschlossen und das war Zauber, Magie und Fügung zugleich.

So ist Maria für mich eine Segensbringerin für die Anima in uns, für die Anima-Seite im Entstehen, vor allem für die verletzte und suchende Mädchenseele in uns.

Sie führt uns in Räume, in denen wir sein dürfen, mit allem, was zu uns gehört, wo Wunder und Visionen beginnen dürfen und Wunden heilen können,
in Räume, in denen wir Ausschau halten können und nach Alternativen zum Gängigen suchen können.

Maria führt zur eigenen Intuition und zu unseren wahren Gefühlen und gibt uns die Erlaubnis dafür.

Maria ist das Bild einer nährenden, gütigen, liebevollen und beschützenden Mutter, die unsere seelischen Bedürfnisse nährt und Entwicklung zulässt.
Sie ist die Verkörperung von Mutter Natur, so wie die Göttin Frau seit Jahrtausenden verehrt wird, und lässt uns uns selbst als Göttin fühlen.

Und Maria steht als Symbol der reinen Weiblichkeit. Wir dürfen sie als Vorbild annehmen, als eine Frau, die in dem von Männern bevölkerten „Himmel“ sowie den patriarchalen Strukturen der Erde lebt und „überlebt“ hat!!!

Maria lässt unsere Fülle zu und bestärkt uns in unserer Freude und segnet unseren Schmerz.

Im Schreiben dieser Seiten erkenne ich erneut, wie lange und mit welcher Intensität mich Maria schon begleitet.

Du musst Maria gar nicht unbedingt in ihrer Erscheinung oder als „Jungfrau Maria“ der Kirche verehren, sondern kannst sie als Innerpsychisches Bild der Mutterenergie und der Entwicklung dadurch sehen und fühlen.

Auf einige der Punkte, die ich heute angesprochen habe, werde ich in weiteren Beiträgen intensiver eingehen, einige vielleicht eher aussparen oder nur poetisch verdichten.

Wenn Dich ein Thema oder ein Aspekt besonders berührt oder etwas in Dir bewegt hat, dann schreibe mir gerne und ich werde dieses Thema als nächstes oder baldmöglichst aufgreifen und vertiefen.

Gerne kannst Du auch mit mir persönlich in Kontakt treten und ein Thema mit mir bearbeiten – es gibt dafür sehr viele und wundervolle kreativ-therapeutische Möglichkeiten.

Es würde mich freuen, wenn etwas in Dir angeklungen ist und Dich berührt hat.


Kreativer Impuls:

Achte in Deinem Alltag, bei der Arbeit, in der Freizeit – einfach in Deinem  normalen Tagesablauf darauf, wo Dir vielleicht die Mutterenergie oder ein Mutterbild begegnet – wo Du Dich wohl fühlst, welche Orte, Attribute, Pflanzen, Begegnungen es sind oder Du dafür brauchst und was Deine Sehnsucht darin ist.

Kaufe Dir einen Strauß Rosen, mache Dir ein Kränzchen aus Gänseblumen, entdecke ein Heilkraut, dass Du in Deinem Garten anpflanzen möchtest oder Dir auf der Fensterbank in der Küche guttut, suche Dir einen Platz in der Natur, wo Du Dich mütterlich genährt und geborgen fühlst -
oder vieles mehr.
Wenn Du gerade offen für dieses Thema bist, werden Dir die Dinge von selbst entgegen kommen.

Sei 7 Tage lang wachsam, wo Dir Mütterlichkeit begegnet und wo Du sie selbst in Dir findest.

  • Wenn Du magst, schreibe jeden Abend ein Wort, einen Satz, ein  Gedicht dazu – vielleicht wird auch eine Geschichte daraus, Deine  Geschichte.
  • Oder schreibe einen Brief an die Mutterenergie, die Dir begegnet  oder die Du ersehnst und sage darin alles, was Dir intuitiv kommt.
  • Wenn du magst, male gerne ein Bild mit den Farben, Formen, Symbolen, Intuitionen, die Dir dazu kommen, und lasse jeden Tag/Abend etwas  dazukommen, sodass es wachsen und sich entwickeln darf.


Kreiere, egal für welche der Möglichkeiten Du dich entscheidest, in dem Wissen, dass diese Mutterenergie, diese Große Mutter für dich unerschöpflich ist und immer für Dich da ist.